Eine überlieferte Geschichte der Zulu zur Entstehung der Tränenstreifen

 

 

Vor langer Zeit sass ein fauler Jäger unter einem Baum und stierte untätig auf eine grosse Lichtung vor sich, wo eine Herde mit fetten Springböcken friedlich graste. Der Jäger überlegte, dass es eigentlich viel zu heiss sei, um sich mit einem langen ermüdenden Anschleichen durch den Busch zu plagen, als er plötzlich zu seiner rechten eine Bewegung wahrnahm. Es war eine Gepardin, die ebenfalls diese Herde für eine Jagd ausgesucht hatte. Und sie machte es sehr gut. Sie bewegte sich gegen den Wind, ganz langsam immer näher auf die Herde zu, Meter für Meter und immer gut in Deckung.

  

Der Jäger beobachtete sie fasziniert als sie immer näher und näher an einen Springbock heran schlich der sich unvorsichtig von der übrigen Hauptherde entfernt hatte. Plötzlich zog die Gepardin ihre langen Beine unter sich zusammen und schnellte wie ein Pfeil vorwärts. Mit schwindelerregender Geschwindigkeit stürzte sie sich auf den Springbock und fing ihn in dem Augenblick, als er gerade davonstürzen wollte. Sie keuchte schwer nach dieser Anstrengung und zog ihre Beute in den Schatten am Rande der Lichtung.

  

Der Jäger bewunderte die Schnelligkeit und Geschicklichkeit, die er gerade mitangesehen hatte. Und als er so zuschaute, sah er, dass drei wunderschöne Geparden-Jungen ebenfalls im Schatten warteten und zusahen. Jetzt war der Mann vor Neid erfüllt und wünschte sich, dass er auch einen so guten Gehilfen hätte, der für ihn sorgen und jagen würde. Da kam er auf eine heimtückische Idee. Er wusste, dass Geparden einen Menschen nie angreifen würden und so dachte er, dass es einfach wäre, eines der Jungen zu fangen und dazu abzurichten für ihn zu jagen. Er lachte und machte es sich bequem und wartete.

  

Als die Sonne unterging, liess die Geparden Mutter die Jungen verborgen im Gebüsch zurück und machte sich zur Wasserstelle auf, um zu trinken. Der Jäger nahm schnell seinen Speer und lief hinunter zum Gebüsch, wo die Jungen versteckt waren. Dort fand er die drei Jungen, die noch zu klein waren, um zu flüchten. Er konnte sich nicht entscheiden, welches er nehmen sollte und deshalb stahl er alle und dachte bei sich, dass drei Geparde zweifellos besser wären als einer.

 

Die Mutter kam eine halbe Stunde später zurück und entdeckte, dass ihre Kleinen verschwunden waren. Ihr Herz bracht. Die arme Geparden Mutter weinte und weinte bis ihre Tränen dunkle Streifen auf ihren Wangen hinterliessen. Sie weinte die ganze Nacht und den ganzen nächsten Tag. Sie heulte so laut, dass ein alter Mann sie hörte. Er kam, um nachzusehen, was dieser Lärm bedeutete.

 

Nun war es so, dass dieser alte Mann sehr weise war in den Dingen dieser Welt. Er wusste sehr viel über Tiere und hatte grossen Respekt vor ihnen. Als er herausfand, was passiert war, wurde er sehr böse. Denn der faule Jäger war nicht nur zum Dieb geworden, sondern hatte die alten Gesetzte gebrochen. Jeder weiss, dass ein Jäger nur seine eigene Kraft und Geschicklichkeit für das Jagen gebrauchen darf. Jede andere Art zum Jagen ist wirklich eine Schande.

 

Er ging zurück zum Dorf und erzählte was geschehen war. Da wurden die Dorfbewohner ebenfalls sehr zornig. Sie fanden den faulen Jäger und verbannten ihn für immer aus dem Dorf. Der alte Mann aber nahm die drei Geparden-Jungen und brachte sie zu ihrer dankbaren Mutter zurück.

 

Das lange weinen jedoch hatte für immer ihr Gesicht gezeichnet. Und deshalb sagen die Zulu tragen die Geparden bis zum heutigen Tag die Tränenspuren in ihrem Gesicht, als Mahnung an die Jäger, dass es unehrenhaft ist, auf andere Art zu jagen als auf die überlieferte Weise.

 

 

Überlieferte Geschichte aus Erzählungen der Zulu Verfasser: unbekannt